Eu-Urheberrechtsreform, Artikel 11, Artikel 13 - Worum geht's?

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      Eu-Urheberrechtsreform, Artikel 11, Artikel 13 - Worum geht's?

      Moin,

      ich hab ne ganze Weile überlegt, ob ich diesen Thread erstellen soll aus verschiedenen Gründen. Einmal gab es ja schon zwei Threads zu diesem Thema, die nicht gut angekommen sind, weil sie nicht besonders neutral gehalten waren, übertrieben wurde, im Zweifel auch auf beiden Seiten Fakten gefehlt haben. Dann ist es auch noch ein halbwegs kompliziertes Thema in einem Forum mit vielen jungen Usern, die sich vielleicht noch nie damit beschäftigt haben. Ich bin trotzdem zu dem Schluss gekommen, dass ich das hier schreiben sollte, weil es ein wichtiges Thema ist, das direkt oder indirekt alle, die dieses Forum nutzen, betreffen wird. Dabei muss natürlich nicht jeder meiner Meinung sein, deswegen werde ich am Anfang auch erstmal neutral versuchen zu erklären, was eigentlich los ist und worum es geht.

      Wie sind wir hier gelandet?

      Da vermutlich die wenigsten mitbekommen haben, wie die Urheberrechtsreform zustande gekommen ist, erstmal ein bisschen zur Entstehung:
      • 16.06.2015: Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments beschließt einen Bericht von Julia Reda zum EU-Urheberrecht. Das heißt, dass das Parlament die EU-Kommission auffordert, die bestehenden Gesetze/Regeln zum Urheberrecht anzuschauen und zu reformieren. Das war zu dem Zeitpunkt wohl auch dringend notwendig, die aktuell noch gültigen Urheberrechtsrichtlinien der EU stammen noch aus dem Jahr 2001, also lange bevor sich Plattformen wie Youtube, Facebook, Twitter etc. gebildet haben.
      • 14.07.2016: Günther Oettinger, Digitalkommissar der Eu-Kommission präsentiert einen ersten Entwurf fürs europäische Urheberrecht. Der Entwurf wird massiv kritisiert, weil er außer dem Einbauen vom in Deutschland ja faktisch gescheiterten Leistungsschutzrecht kaum Änderungen des insgesamt veralteten Urheberrechts mitbringt. Der Entwurf wird dann auch vom Verbraucherausschuss des EU-Parlaments abgelehnt.
      • 2017: Es entsteht ein weiterer Entwurf von einer Abgeordneten aus dem Rechtsausschuss des Eu-Parlaments, der für das Parlament für die Reform zuständig ist. Inder Folge diskutieren diverse Ausschüsse über ihre Position zu der Reform. Großteils werden dabei Upload-Filter abgelehnt, aber zum Beispiel zum Leistungsschutzrecht findet sich öfter mal keine gemeinsame Linie. Zwischenzeitlich verlässt die Abgeordnete, die den zweiten Vorschlag ausgearbeitet hat das Eu-Parlament, ihre Stelle übernimmt Axel Voss, der damit Berichterstatter, also Verantwortlicher im Parlament für die Reform wird.
      • 25.05.2018: Der Rat der EU einigt sich auf eine Position, bei der sowohl Uploadfilter als auch das Leistungsschutzrecht dabei sind. Hier stimmt Deutschland dagegen (warum das wichtig ist ergibt sich später).
      • 05.07.2018: Anders als es normal üblich ist winkt das EU-Parlament den Textvorschlag des Rechtsausschusses zur Reform nicht durch, den dieser 2 Wochen vorher veröffentlicht hatte.
      • 12.09.2018: In einer weiteren Abstimmung wird die Reform nicht angenommen oder abgelehnt, sondern in den Trilog geschickt, das heißt Eu-Kommission, Rat und Parlament setzen sich zusammen und versuchen einen Kompromiss zu finden, um zu einer von allen Seiten mehrheitlich akzeptierten Lösung zu kommen. Vor dieser Abstimmung gab es schon einige größere Protestaktionen, Unterschriftensammlungen, Petitionen etc., um die Reform in dieser Form zu verhindern, vorher waren die Proteste lange nicht so groß und öffentlichkeitswirksam.
      • 18.01.2019: Die Verhandlungen im Trilog kommen nicht weiter, weil zu viele Länder (hier auch wieder Deutschland) den zum Kompromiss erarbeiteten Vorschlag blockieren.
      • 13.02.2019: Es wird bekanntgegeben, dass man sich im Trilog auf einen Kompromiss geeinigt hat. Dieser Kompromiss enthält immer noch Uploadfilter und das Leistungsschutzrecht. Die Planungen für europaweite Demonstrationen am 23.03.2019 fangen an, das sollte vor der Abstimmung vom Parlament dazu sein. Ein paar Tage später behauptet Axel Voss (also der zuständige Berichterstatter), dass der Entwurf gar keine Uploadfilter beinhalte, weil es nicht explizit im Text steht.
      • 20.02.2019: Der Entwurf wird im EU-Rat angenommen, auch mit der Stimme von Katarina Barley, die stellvertretend für Deutschland ihre Stimme abgibt, obwohl sie sich vorher klar gegen die im Text enthaltenen Uploadfilter ausgesprochen hatte und bricht damit den Koalitionsvertrag, in dem ungewöhnlich deutlich Uploadfilter als unverhältnismäßig abgelehnt werden.
      • 04.-07.03.2019: Es wird bekannt, dass die EVP-Fraktion im EU-Parlament (ein Zusammenschluss vieler konservativer Parteien, darunter CDU und CSU) plant, die Abstimmung in die Woche vom 11. bis 15.03. vorzuverlegen und damit den geplanten europaweiten Protesten am 23.03. zuvorzukommen. Das wird zunächst dementiert, bis es eindeutige Beweise für den Antrag gibt. Daraufhin finden in Deutschland in einigen Städten Spontandemonstrationen statt, die sich gegen das Vorziehen der Abstimmung richten. Bis dahin ist unklar, ob es überhaupt möglich wäre, weil eine Abstimmung erst möglich ist, wenn der Entwurf in alle EU-Amtssprachen übersetzt wurde, was bis dahin nicht der Fall war. Am Mittwoch erklärt Manfred Weber, Vorsitzender der EVP und CSU-Mitglied, in einem Interview mit der ARD, dass die Abstimmung wie geplant Ende März stattfinden wird. Am Tag darauf bringt seine Fraktion in einem informellen Treffen den Antrag, die Abstimmung falls möglich vorzuziehen trotzdem vor, da die anderen Fraktionen aber nicht mitmachen wird dann angekündigt, dass der Plan nicht weiter verfolgt werde.

        Quelle: netzpolitik.org/2019/urheberre…en-drei-jahren-geschah/8/ - ja, die Seite ist in der Debatte nicht neutral, diese reine Darstellung der Ereignisse bis zum aktuellen Zeitpunkt ist aber ausreichend neutral, dass man sie verwenden kann.


      So weit dazu, wie wir in die aktuelle Situation gekommen sind. Jetzt will ich auf 3 Artikel aus der geplanten Reform eingehen, die besonders kritisch sind. Ich will hier nicht mit unnötig viel Paragraphendeutsch und so um mich werfen, das heißt ich werde den Inhalt der entsprechenden Artikel extrem vereinfacht und verkürzt erklären und dabei im Zweifel auch für die Problematik nicht wichtige Teile weglassen. Wer Zweifel daran hat, dass das was ich sage stimmt, eine erste englische Version verlinke ich am Ende, sobald ich eine deutsche Version finde editiere ich die dazu. Ich fasse jeweils zuerst den geplanten Zweck des Artikels zusammen, falls nötig erkläre ich dazu noch was und danach kommt dann, warum dieser Artikel aus Sicht vieler Personen problematisch ist.

      Um was geht es in den Artikeln und was ist daran ein Problem?

      Artikel 11: Gerne auch als Link-Steuer bezeichnet geht es hierbei darum, dass Inhalte, die man als Website-Betreiber von fremden Seiten einbindet nur mit Erlaubnis des Urhebers eingebunden werden dürfen, im Zweifel dann auch gegen Bezahlung. Hier geht es eigentlich darum, dass nicht einfach komplette Texte oder allgemein Inhalte von fremden Seiten eingebunden werden dürfen, ohne den Urheber dafür entsprechend zu bezahlen.
      Problem:
      So, wie es jetzt formuliert ist, sieht es aber leider etwas anders aus. Alles, was über sehr kurze Textausschnitte oder den reinen Link hinausgeht fällt unter diesen Artikel.
      Das heißt zum Beispiel, dass Suchergebnisse von irgendwelchen Suchmaschinen wie Google, Bing, Duckduckgo oder was man sonst so nutzt in dieser Form nicht mehr erlaubt wären. Es müsste jeweils vom Urheber eine Erlaubnis vorliegen, die entsprechenden Inhalte einbinden zu dürfen. Ich denke mal, wenn eine Suchmaschine plötzlich nur noch die Links ohne eine kurze Einleitung, was man dort auf der Seite erwarten kann würden das viele nicht so toll finden.
      Eine andere Folge dürfte sein, dass seriöse Medien bei Suchmaschinen vermutlich weniger gut repräsentiert sein werden. Seriöse Medien haben im Zweifel eine größere Anzahl an Reportern, Personen die Recherche betreiben etc. die bezahlt werden müssen, das heißt natürlich würde die Möglichkeit, über diese 'Link-Steuer' zusätzliche Einnahmen zu generieren gerne genutzt. Auf der anderen Seite stehen dann Medien, die es mit Recherche nicht so genau nehmen, oftmals eher populistische schreiben und es im Zweifel auch mal mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, die natürlich eine möglichst große öffentliche Aufmerksamkeit erreichen wollen. Die würden dann Suchmaschinen sehr billige oder sogar kostenlose Lizenzen geben fürs Einbinden ihrer Inhalte. Das würde im Vergleich mit den teureren Lizenzen der seriöseren Medien zu einer Überrepräsentation von diesen Medien führen, was für die freie Berichterstattung nicht wirklich gut sein dürfte.
      Ein weiteres Beispiel für eine Plattform, die ebenfalls betroffen sein dürfte ist Wikipedia. Hier geht es nicht nur um die Quellennachweise unter den normalen Artikeln, sondern auch besonders um Projekte wie die Wikimedia Commons. Für die, die es noch nicht mitbekommen haben: Die deutschsprachige Wikipedia wird am 21.03. für einen kompletten Tag nicht erreichbar sein, um gegen die Einführung dieser Urheberrechtsreform zu protestieren.

      Artikel 12: Hier geht es um die Beteiligung von Verlagen und Verwertungsgesellschaften an den Vergütungsansprüchen der Urheber. In den Erwägungsgründen dazu steht, dass hier Traditionen gewahrt werden sollen, die nicht unnötig aufgehoben werden müssen.
      Dazu ne kurze Erklärung: Bis vor einiger Zeit war es in einigen Ländern der EU (darunter auch Deutschland) normal, dass Verwertungsgesellschaften an den gesetzlichen Vergütungsansprüchen beteiligt werden mussten (nicht zu verwechseln mit den normalen Nutzungsrechten, dazu werden Verträge zwischen Urheber und Verwertungsgesellschaft zur Aufteilung geschlossen und das ist auch aktuell noch der Fall). Das wurde in den letzten Jahren vom BGH und vom EuGH als nicht rechtmäßig bewertet, musste also abgeschafft werden. Die Urheber seien sowieso schon genug im Nachteil gegenüber den Verwertungsgesellschaften, diese gesetzlichen Vergütungsansprüche dürfen ausschließlich an den Urheber gehen.
      Problem: Dadurch, dass diese Rechtsprechung mit diesem Artikel der Reform quasi außer Kraft gesetzt wird, wird der Zustand davor wiederhergestellt. Dieser vorherige Zustand benachteiligt Urheber in einigen EU-Ländern wie zum Beispiel Deutschland oder Belgien gegenüber Urhebern in anderen Ländern wie zum Beispiel den skandinavischen Ländern, weil sie Teile ihres gesetzlichen Vergütungsanspruches voraussichtlich wieder an die Verwertungsgesellschaften abgeben müssten, während ihre Kollegen in den skandinavischen Ländern das wohl nicht müssten, da es dort noch nie der Fall war.
      Außerdem führt dieser Artikel in die entgegengesetzte Richtung von dem, was mit dieser Reform eigentlich bezweckt werden soll. Der Zweck war es, Urheber im europäischen Markt zu stärken und wenn möglich auch stärker am Gewinn durch ihre Werke zu beteiligen. Hiermit passiert das Gegenteil. Einnahmen, die vorher ausschließlich an den Urheber gingen gehen so (wieder ) in Teilen an die Verwertungsgesellschaften, die in der Regel nicht wirklich Geldmangel haben, während es vielen Urhebern nicht übermäßig gut geht.

      Artikel 13: Zielstellung dieses Artikels ist es, die Stellung von Rechteinhabern gegenüber gewerblichen Plattformen zu verbessern, deren Hauptzweck das Hochladen und Zugänglichmachen von urheberrechtlich geschütztem Material ist. Bisher ist es so, dass die Plattform auf den Hinweis von einem Rechteinhaber, dass auf der Plattform geschützte Werke von dieser Person zu finden sind reagieren und die beanstandeten Inhalte, wenn die Beschwerde richtig war, entfernen. Wenn ein Rechteinhaber allerdings vor Gericht gehen wollte, musste er den Nutzer ausfindig machen, der unrechtmäßig den geschützten Inhalt auf diese Plattform hochgeladen hat, die Plattform selbst war erstmal, wenn sie auf die Anfrage reagiert hat raus und hatte nichts zu befürchten. Mit diesem Artikel soll das geändert werden. In Zukunft sollen nicht mehr die Nutzer haftbar sein, wenn sich auf der Plattform geschütztes Material befindet, sondern die Plattformbetreiber selbst. Dabei reicht es auch nicht mehr, auf Hinweis die geschützten Inhalte zu entfernen, die dürfen jetzt gar nicht mehr auf der Plattform landen, müssen also vorher aussortiert werden.
      Problem:
      Wer von euch regelmäßig auf Youtube unterwegs ist, wird es sicherlich schon hier und da mal mitbekommen haben, dass sich jemand über die automatische Erkennung von Urheberrechtsverstößen in Videos beschwert hat oder sogar ein Video/Kanal deswegen gesperrt wurde, mitunter obwohl das Video eigentlich in Ordnung war und nur im Hintergrund Musik zu hören war, weil man an einem Café vorbeigegangen ist oder so. Das ist kein Verstoß, sondern erlaubt. Andersrum findet man aber natürlich auch genug geschütztes Material, das mit irgendwelchen relativ einfachen Tricks so verändert wurde, dass es durch den Filter kommt. Diese leichten Änderungen führen aber nicht dazu, dass es nicht mehr geschützt ist. Dieser Filter, den Youtube schon seit Jahren einsetzt, hat also einige Schwachstellen und funktioniert lange nicht perfekt. Um hier eine Idee zu haben, wie aufwändig so ein Filter in der Entwicklung ist, bis 2018 hat Youtube etwa 100 Millionen US-Dollar in die Entwicklung von Content-ID, also diesem Filter gesteckt.
      Genau von solchen Filtern wären mit diesem Artikel dann aber sehr viele Plattformen abhängig, weil sie die hochgeladenen Inhalte prüfen müssen. Da sie selber haftbar sind, werden sie natürlich kein Interesse daran haben, dass dort Inhalte landen, die nicht dort landen dürfen. Dementsprechend stark wird ein solcher Filter dann eingestellt. Das hat dann aber zur Folge, dass auch Inhalte wie Parodien, Kritiken, Nachrichten etc. mit gefiltert werden würden, weil sie Teile von geschützen Werken enthalten, die in diesem Zusammenhang aber genutzt werden dürfen und sogar in Artikel 13 selbst auch nochmal explizit erlaubt wurden. Leider hat sich niemand von den Befürworten scheinbar Gedanken darüber gemacht, ob die Forderungen, die mit einem solchen Gesetz gestellt werden, überhaupt technisch umsetzbar sind.
      Oft wird hier vorgebracht, dass es nach Artikel 13 ja gewollt ist, dass die Plattform sich vorher nach besten Möglichkeiten darum bemüht, Lizenzen für die Inhalte zu erwerben. Für eine Plattform mit nutzergenerierten Inhalten, also jeder Plattform, auf der man sich anmelden und als Nutzer etwas posten/hochladen kann, bedeutet das aber zu versuchen, Lizenzen für sämtliche geschützte Werke der Welt zu erwerben, weil man ja nicht wissen kann, was die Nutzer so hochladen werden. Zwar muss man hier aufpassen, weil in diesen Passagen von "größtmöglichem Aufwand", "nach bestem Wissen und gewissen", "nach höchsten Standards" etc. die Rede ist, das heißt eine Plattform wie Youtube muss mehr leisten als eine deutlich kleinere Plattform, die EInsteigshürde ist und bleibt aber trotzdem so hoch, dass insbesondere kleinere Plattformen ein Problem haben werden.
      Zudem gibt es Ausnahmen für kleine Plattformen. Die sind aber leider so formuliert, dass man nach spätestens 3 Jahren auch als kleine Plattform betroffen ist. Diese Kriterien sind weniger als 10 Millionen Euro jährlicher Umsatz, weniger als 5 Millionen Besucher pro Monat und unter 3 Jahre alt. Wenn eins der Kriterien nicht mehr erfüllt wird, muss gefiltert werden.



      Das sind die 3 Artikel, über die am meisten diskutiert wird. Dadurch, dass potenziell Youtube betroffen ist, wird natürlich besonders über Artikel 13 geredet, die anderen beiden Artikel sind aber nicht weniger schlecht oder weniger schädlich.
      Wichtig ist an dieser Stelle, dass ich noch von keiner Person, mit der ich wegen den Protesten gegen diese Reform zu tun hatte gehört habe, dass sie gegen Urheberrecht oder eine faire Bezahlung von Urhebern ist. Die Urheber bekommen an vielen Stellen sicherlich zu wenig und es ist richtig, wenn versucht wird, das Urheberrecht zu reformieren, um die Urheber in eine bessere Position zu bringen. Leider würde dieser Reformvorschlag in erster Linie die Rechteinhaber stärken, den Urhebern würde es wenig bis gar nichts bringen, mit etwas Pech würden sie sogar weniger bekommen (siehe Artikel 12). Es geht also nicht darum, das Urheberrecht als Konzept abzulehnen, sondern diesen schlechten Reformvorschlag abzulehnen, um sich dann daran setzen zu können, einen guten und für alle Seiten fairen Vorschlag zu erarbeiten.
      Ein weiterer wichtiger Punkt ist Panikmache. Ich will hier niemandem Angst machen, es wird weder das Internet noch Youtube/Google/Facebook dadurch untergehen oder unerreichbar werden. Das will ich auf keinen Fall behaupten, weil es höchstwahrscheinlich schlicht falsch ist und ich will hier nichts schreiben, was so nicht stimmt. Gerade die großen Plattformen wie Youtube/Google, Facebook, Twitter, die die nötigen Mittel haben, um entsprechende Filter zu entwickeln (oder sie schon besitzen) oder um Rechteinhaber fürs Einbinden von Inhalten zu bezahlen werden hier eher von profitieren, als dass sie echte Probleme bekommen werden. Die Probleme werden die kleinen Plattformen haben, die solche Möglichkeiten nicht haben.
      Es wird sich für viele sicherlich hier und da etwas ändern, wer sich aber ausschließlich Sorgen darum macht, dass plötzlich das Internet weg ist oder Youtube abgeschaltet wird, den möchte ich hier ausdrücklich beruhigen: Das wird nicht passieren.


      Wer bis hier hin gelesen hat, dem ist sicherlich klar, dass ich das nicht alles schreibe, weil das schon beschlossene Sache ist und wir nichts mehr machen können.
      Was kann ich jetzt noch tun?

      • Am 23.03. finden europaweit Demonstrationen gegen die Eu-Urheberrechtsreform statt. Wo genau findet sich immer aktuell auf dieser Karte.
      • Es ist einen Versuch wert, den Abgeordneten aus dem eigenen Bundesland eine Mail zu schreiben, leider habe ich grade keine schöne Liste mit allen Kontaktdaten gefunden, die Abgeordneten mit Verweisen auf die Websites, auf denen üblicherweise die Kontaktdaten angegeben sind gibts hier. Dass das noch etwas bringt ist leider nicht besonders wahrscheinlich, da viele Politiker, die für die Reform sind, diese Mails für Mails von Bots halten. Die Antwortquote ist außerdem nicht gut, ich hab auf 95 ausführliche Mails nach inzwischen 4-5 Wochen nur knapp 20 Antworten bekommen.
      • Auf botbrief.eu kann man deswegen eine Vorlage für einen Brief an Eu-Parlamentsabgeordnete finden. Also nur noch ausdrucken, unterschreiben und in nen Briefumschlag damit. Das zeigt dem Empfänger dann immerhin, dass der Brief definitiv nicht von einem Bot kommt.
      • Diese Option würde ich generell niemandem empfehlen, der sich nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt hat und in einer Diskussion vermutlich nicht genug Argumente haben würde, ich will sie aber der Vollständigkeit halber mit auflisten. Über pledge2019.eu kann man versuchen, Abgeordnete anzurufen, die noch nicht gegen die Reform stimmen werden und dann versuchen zu überzeugen, gegen die Reform zu stimmen. Wie gesagt, sollte man die Finger von lassen, wenn man die Materie nicht gut beherrscht.

      Die einfache Variante, die aber bei vernünftiger Beteiligung auch effektiv sein wird, sind die Demonstrationen. So viele wie inzwischen angemeldet sind, sollte sich auch bei den meisten in erreichbarer Distanz eine finden lassen. Außerdem sind die Demos an einem Samstag, das heißt wer nicht grade Samstags arbeiten muss oder schon einen anderen Termin für den Tag hat, hat auf jeden Fall die Möglichkeit.
      Falls sich jemand dafür entscheiden sollte, Abgeordneten zu schreiben oder anzurufen ist eine Sache sehr wichtig: Auch wenn ihr absolut nicht der Meinung der Abgeordneten seid, bleibt freundlich. Wenn ihr ausfallend werdet, wird es vermutlich nicht gelesen und ein Telefonat wird dann schneller vorbei sein, als ihr Eu-Urheberrechtsreform sagen könnt.

      /edit: Was ich vergessen habe noch zu schreiben: Bitte versteht das nicht als Aufruf, etwas zu tun, auch wenn ihr keine Ahnung habt, worum es eigentlich geht. Bitte schaut euch an, worum es geht, schaut vielleicht auch mal auf Youtube ein Video zum Thema an, da finden sich haufenweise Videos, einen Kanal bzw. ein Video werde ich mal unten verlinken, falls ihr nicht so viel lesen wollt. Wenn ihr dann zum Schluss kommt, dass das Mist ist und ihr etwas tun wollt, dann tut etwas. Aber bitte nicht einfach blind irgendwo hinterherrennen, weil jemand das gesagt hat, das führt zu nichts.


      Erklärungen und Links

      Volltext der Eu-Urheberrechtsreform auf Englisch: Link

      Rechteinhaber/Verwertungsgesellschaften: Viele Urheber sind in diversen Gesellschaften Mitglied, an die sie die Verwaltung ihrer Rechte bis zu einem gewissen Grad übertragen. Diese Gesellschaften kümmern sich dann um Urheberrechtsverstöße, aber auch meistens um Sachen wie Werbung, Vermarktung, Verkauf. Dazu kommen Unternehmen, die auf verschiedenen Wegen die vollständigen Rechte an bestimmten Werken erworben haben und dementsprechend diese Rechte innehaben und verwalten. Beispiele für Verwertungsgesellschaften sind die GEMA oder die VG Wort, bei Rechteinhabern wären zwei bekannte Unternehmen der Axel-Springer-Verlag und Bertelsmann.

      Videos zum Thema:
      Artikel 13 - Dieses Chaos haben wir jetzt! RA Solmecke (50 min Video)
      Artikel 11 - Mindestens genau so schlimm wie Artikel 13? | Rechtsanwalt Christian Solmecke


      Unter dem Beitrag hier kann natürlich gerne diskutiert werden, wenn es Fragen gibt auch gerne stellen, soweit ich eine Antwort habe, werde ich auch versuchen so gut wie möglich drauf zu antworten. (Auch wenn ich mich inzwischen seit mehr als nem halben Jahr recht intensiv mit dem Thema beschäftige weiß ich natürlich auch nicht jedes Detail ^^ ) Wie auch bei den Abgeordneten gilt auch hier, bitte bleibt auf einem vernünftigen Niveau, keine persönlichen Angriffe oder Beleidigungen. Nicht jeder wird der Meinung von jedem anderen sein, das ist aber auch in Ordnung.
      Auch wenn jemand einen Fehler in meinem Text findet (inhaltlich, ein Kommafehler stört mich im Zweifelsfall nicht), bitte unbedingt melden, damit ich das berichtigen kann.

      air

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „airfighter007“ ()

      airfighter007 schrieb:

      Auf der anderen Seite stehen dann Medien, die es mit Recherche nicht so genau nehmen, oftmals eher populistische schreiben und es im Zweifel auch mal mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, die natürlich eine möglichst große öffentliche Aufmerksamkeit erreichen wollen. Die würden dann Suchmaschinen sehr billige oder sogar kostenlose Lizenzen geben fürs Einbinden ihrer Inhalte. Das würde im Vergleich mit den teureren Lizenzen der seriöseren Medien zu einer Überrepräsentation von diesen Medien führen, was für die freie Berichterstattung nicht wirklich gut sein dürfte.

      Also ich muss @FleX246 zustimmen in dem Punkt das es kurz, knapp und sehr gut beschrieben ist...nur neutralität sieht bisschen anders aus meiner Meinung nach. Denn wer beurteilt was "seriöse Medien" sind und was nicht? Ich glaub da sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden ob er jetzt z.b. FAZ als serös ansieht oder doch eher nicht, denn neutrale Berichterstattung sieht da auch manchmal anders aus ;)

      Dieser Ausschnitt da oben ist deine eigene Meinung Air und die akzeptiere ich natürlich so wie sie ist ich sehe das nur bissl anders und sage das es eben für die großen Medien eher zur Herausforderung wird endlich mal neutral zu berichten, sowohl lokal als auch auf Landesebene da sie ansonsten eher in den Hintergrund verschwinden werden.

      Auserdem, große Medien wie Bild und co, die viel Geld verdienen können es sich eher leisten die Lizenz kostenlos zu vergeben als ein kleinerer Medienverlag glaube ich.
      /w utopia S1: Länderflaggen als Banner S2: kleine Auswahl Dekobanner. S3: Buchstabenbanner in weiß und schwarz mit 15 Schriftfarben.

      Noitari schrieb:

      Denn wer beurteilt was "seriöse Medien" sind und was nicht?

      Bis zu einem gewissen Grad scheint - ich sage hier deshalb scheint, weil ich mich mit dieser Form der Bewertung und der Mechanik dahinter nicht näher beschäftigt habe und es deswegen nicht wirklich beurteilen kann - man eine mehr oder weniger klare Aussage über die reine Aussagequalität eines Mediums anhand der Anzahl an Lügen/Fehlern, der das Medium überführt worden ist aufstellen zu können. Ich denke nicht, dass das jemals eine absolut objektive Methode wird, eine Zeitung eindeutig zu beurteilen und natürlich wird daran nicht unterschieden, ob das Medium die Geschehnisse in irgendeiner Richtung tendenziös darstellt, als Abgrenzung Bild vs. FAZ wird es aber wohl funktionieren.

      Noitari schrieb:

      Ich glaub da sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden ob er jetzt z.b. FAZ als serös ansieht oder doch eher nicht, denn neutrale Berichterstattung sieht da auch manchmal anders aus

      Siehe den Kommentar zum ersten Zitat, ich muss dir allerdings zustimmen, dass man sich immer auch selber ein Bild machen sollte, wenn es um die Qualität einer Zeitung geht. Grade dein Beispiel FAZ ist bei mir grade absolut unten durch, da die FAZ in Sachen Urheberrechtsreform eine Agenda pro Reform verfolgt und dementsprechend tendenziös über die Vorgänge der letzten Zeit berichtet hat. Dazu kommt eine "Studie" zur Herkunft von Tweets gegen die Urheberrechtsreform, die von einem Redakteur der FAZ angefertigt wurde mit Zahlen, die nie für eine solche Auswertung geeignet waren.* Englische Tweets, die nicht zugeordnet werden können wurde in diesen Zahlen automatisch nach Washington DC verortet, das heißt auch alle englischsprachigen Tweets von Julia Reda oder Tiemo Wölken, zwei MEP, wurden als Beeinflussung aus den USA gewertet.
      Hier muss man also definitiv schauen, wie man mit der Berichterstattung umgeht. Gleichzeitig sollte man aber auch in der Lage sein zu unterscheiden zwischen solchen Artikeln, bei denen klar eine eigene Agenda verfolgt wird und Artikeln, an deren Inhalt das Medium kein persönliches Interesse hat. Ich denke dass die FAZ nach wie vor eine vernünftige Zeitung ist und die meisten Artikel gut und angemessen neutral sein werden, nur im Digitalbereich muss man halt aktuell schauen, was aus dieser Richtung so kommt.
      Ganz generell mit offenen Augen an Nachrichten heranzugehen ist aber natürlich immer gut, grade wenn man den Eindruck hat, dass unangemessen stark auf bestimmte Personen/Unternehmen eingedroschen wird in der Berichterstattung.

      Noitari schrieb:

      Auserdem, große Medien wie Bild und co, die viel Geld verdienen können es sich eher leisten die Lizenz kostenlos zu vergeben als ein kleinerer Medienverlag glaube ich.

      Dem stimme ich definitiv zu, dieses Geld könnte natürlich leichter vorhanden sein als bei kleinen Verlagen. Wenn man sich aber die gängige Praxis anschaut, dann versuchen in den letzten Jahren immer mehr renommierte Zeitungen auch mit ihren Onlineauftritten Geld zu verdienen (was an sich ein ja durchaus nachvollziehbares Vorgehen ist, die Zeitung in Papierform kostet ja auch Geld). Wie offensiv dabei vorgegangen wird ist natürlich unterschiedlich und es lohnt sich auch der Blick in den englischsprachigen Raum, wie die Zeitungen dort vorgehen, insgesamt ist aber wohl eine Tendenz zu immer mehr Paywalls und Leselimits zu erkennen. Bei kleinen Zeitungen sollte man denke ich unterscheiden zwischen Lokalzeitungen und Fachzeitungen. Lokalzeitungen werden vermutlich immer noch primär in der gedruckten Form verlegt und deswegen stellt es wenig Probleme dar, den Onlineauftritt bzw. die Artikel hinter einer Paywall zu verstecken, während es bei überregionalen Fachzeitschriften weniger der Fall sein dürfte.

      An der Stelle möchte ich dann auch nochmal anmerken, dass das Zitat aus meinem Text, auf das du dich in deiner Antwort insgesamt beziehst keineswegs nur meine persönliche Meinung ist. Diese Stelle fasst eine der größeren Befürchtungen und damit einen der Kritikpunkte an Artikel 11 zusammen, ist also nicht eine Meinung die ich exklusiv vertrete, sondern mehr die Wiedergabe einer Meinung vieler Menschen, die aktuell gegen Artikel 11 protestieren.

      air

      */edit: Diese Aussage haben übrigens nicht nur Gegner der Reform aufgestellt, sondern sie wurde auch vom Ersteller des Tools, mit dem die Daten erhoben wurden bestätigt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „airfighter007“ ()

      airfighter007 schrieb:

      Bei kleinen Zeitungen sollte man denke ich unterscheiden zwischen Lokalzeitungen und Fachzeitungen. Lokalzeitungen werden vermutlich immer noch primär in der gedruckten Form verlegt und deswegen stellt es wenig Probleme dar, den Onlineauftritt bzw. die Artikel hinter einer Paywall zu verstecken, während es bei überregionalen Fachzeitschriften weniger der Fall sein dürfte.


      Bei Fachzeitschriften muss man auch nochmals unterscheiden zwischen (meist zu ziemlich mächtigen und reichen Verlagen gehörenden) Wissenschaftsjournalen, die quasi alles hinter einer Paywall verstecken (mit Preisen von zum Beispiel von 10$ bis 40, 50 $ oder noch mehr für einen Artikel, der am besten nur zwei, drei Seiten lang ist) und solchen Fachzeitschriften, die mehr spezialisierte Magazine sind. Bei den Wissenschaftsjournalen gibt es ja momentan ein grosses Kräftemessen zwischen Wissenschaftlern und Verlagen. Als Privatperson kannst du dir so Journale nämlich kaum leisten und jeder Versuch, die Erkenntnisse anderweitig kostenlos verfügbar zu machen kommt schnell in Konflikt mit dem Gesetz. Die Open Access-Bewegung nimmt aber immer mehr Fahrt auf und die Verlage verlieren an Boden, soweit mir bekannt. Ich habe so das Gefühl, dass die Motivation von so Verlagen wie Bertelsmann oder Axel Springer sehr ähnlich ist: Weiter ungestört viel Geld machen, ohne Rücksicht darauf, dass sich die Zeiten geändert haben. Dementsprechend haben sie ja auch so sehr geworben für die vorliegende Reform und jammern nun, weil minimale Alibi-Aufweichungen angeblich das Ganze unerträglich für sie machten...

      Da die Welt der Wissenschaftsjournale aber eine komplett andere Welt ist, soll das hier nur mal als Ergänzung und Exkurs stehen bleiben.
      Ich betrachte das Thema aus der Sicht des Anwenders und möglichem Nutznießers. Das kommt dabei raus, wenn es genau so kommt.

      Artikel 11

      Wie nutze ich eigentlich Suchmaschinen?

      Um dubiosen toxischen Müll abzufangen, habe ich einen Bioalgorithmus gebastelt. Der ist simpel und doch genial. Eine künstliche Intelligenz kommt dagegen nicht an. Und so läuft das ab.

      Ist das Ergebnis der Suchanfrage da, werden zuerst die URLs (Webseitenadressen) gesiebt. Dabei sind die Kriterien Bekanntheitsgrad und Vertrauenswürdigkeit der Webseite, Themenbezug zum Suchbegriff, vertrauenswürdige Endung TLD (TopLevelDomain) und eine nicht zu lange kryptische URL. War das Erfolgreich, wird die Plausibilität des Titels geprüft. Passt dieser zum Suchergebnis, geht es weiter. Jetzt kommt der Kurztext dran. Auch hier erwarte ich einen Themenbezug. Der Inhalt sollte dann auch nicht zu alt sein. Waren die Schritte erfolgreich, hole ich die Seite ab. Hier kommen noch weitere Firewalls zum Einsatz. Aufdringlichkeit, Intransparenz und direkte Weiterleitungen werden mit nahezu sofortigem Verlassen der Seite bestraft. Das Verfahren wiederhole ich pro Suchergebnis. Es geht schnell und ist effektiv.

      Kommt der Artikel 11 ändert sich an dem Verfahren erst einmal nichts. Die Leistung des Systems wird aber geschwächt. Teil zwei wird in seiner Wirksamkeit reduziert und Teil drei wird fast komplett zerstört. Es bleiben nur noch die URLs mit einem Begriff übrig.

      Hier entstehen auch schon die Risiken und Nebenwirkungen. Es gibt Dienste, mit denen die URLs gekürzt werden können. Die Weiterleitungsfunktion im Browser wird beliebter werden. Diese kann auch direkt beim Host eingebaut werden. Dubioses toxisches Material wird nach oben gespült. Die Suchmaschinen werden sinnloser werden.

      Das ist in etwas so, wenn die Läden in der Einkaufsmeile ihre Schaufenster leeren. Anstelle der bunten Produktwerbung mit Material und Text, wird nur noch der Artikelname mit Preis und Pfeil zum Regal angezeigt. Werbung im Netz machen, wird zu einem Minenfeld. Werbebanner müssen immer manuell abgeholt werden unter Einhaltung der dort angezeigten Lizenzrechte.

      Artikel 12

      Wie verstehe ich das Urheberrecht und die Verwertung?

      Dieses Thema wird mich auch mal treffen als Kreativer. Eigene Ergüsse sind meiner Meinung nach mein Eigentum, alle anderen sind nur Besitzer. Die Art des Umgangs regle ich mit meiner Lizenz. Die kann kostenlos sein oder auch kostenpflichtig und an Regeln gebunden werden. Etwas einfacher ausgedrückt. Ich habe Schreibrechte, Leserechte und Ausführungsrechte an dem Material. Alle anderen haben zunächst nur Leserechte und können Ausführungsrechte erwerben.

      Bin ich nicht in der Lage das Material in den Markt zu drücken, dann Kaufe ich mir eine Dienstleistung dafür. Die Dienstleistung besteht darin, die Werke einem großen Publikum bekannt zu machen. Der Vertreiber hat dabei keine Rechte an dem Material. Er darf es nur verteilen.

      Dafür gibt es zwei Modelle. Einen Festpreis pro Zeiteinheit oder eine Provision anhand des Umsatzes. Das ist das Geld was ich für das Material verlange und was der Markt hergibt. Ein Festpreismodell benachteiligt kleine Autoren, hat aber den Vorteil, dass die Anbieter besser planen können anhand der Verträge. Das Provisionsmodell hat Vorteile für kleine Autoren, benachteiligt aber Vertreiber, die keine großen Werke mit hoher Durchschlagskraft an Land ziehen können. Das Vorhaben ist unkalkulierbar. Eine Daseinsberechtigung hätten beide Modelle. Der Markt muss das am Ende entscheiden.

      Kommt Artikel 12 ändert sich das in der Hinsicht, dass der Urheber Rechte an seinem Material teilweise oder ganz abgeben muss. Das widerspricht meiner Meinung, dass ich Eigentümer der Sache bin.

      Die Folgen in finanzieller Hinsicht sind bekannt. Die Vertreiber werden sich so viel nehmen wie möglich. Entweder es wird akzeptiert oder es gibt keinen Vertrieb. Die Urheber werden dazu gezwungen ihr Material selbst zu vertreiben. Das mag in einigen Fällen mit Hilfe des Internets sogar funktionieren. Es gibt aber Bereiche, da wird das sehr schwer werden.

      Weiter helfen kann hier die OpenSourceSzene. In dem Bereich geht es weniger ums Geld. Da geht es darum Dinge allen frei zugänglich zu machen. Das Material darf unter Einhaltung einfacher Regeln genutzt und verbreitet werden. Die Hauptregel ist dabei die Nennung des Urhebers und je nach Lizenz die Unantastbarkeit des Werkes. Es darf also nur unverändert vervielfältigt werden. Der Bereich könnte wachsen und das Problem irgendwann elegant lösen. Auch hier muss der Markt sich etwas einfallen lassen. Neue Geschäftsmodelle mit fairen Konditionen müssen entstehen.

      Artikel 13

      Wie würde ich damit umgehen?

      Im Prinzip ist es ja so. Betreibe ich eine Plattform, dann gehört mir das Material darauf nicht. Ich bin also nicht verantwortlich für dessen Entstehung, Herkunft und Qualität. Ich werde nur haftbar, wenn ich Kenntnis von rechtswidrigen Material erlange. Sei es durch die Eigenpflege der Plattform oder der User, die die Meldefunktion nutzen.

      Hier können prophylaktische Filter die Arbeit erleichtern, aber sie werden Rechtsverstöße nicht vollständig verhindern können. Dieser Effekt mag bei kleinen Anbietern mit händischer Pflege noch zu beseitigen sein. Bei großen und riesigen Anbietern wird es eine Zumutung und ist in meinen Augen unmöglich.

      Kommt Artikel 13, dann stampfen wir einfach alle Plattformen ein. Denn wer hat schon Lust auf Verdacht zu hängen, nur weil mal was schief gehen könnte. Genau darauf läuft es aber hinaus. Ich muss die Leute beim denken erwischen und die Handlung verhindern. Das ist Unsinn.

      Filter können da wenig ausrichten. Sie reduzieren das Risiko, aber sie sind nicht sicher. Darüber hinaus werden sie so lange übersteuert bis am Ende nichts mehr durch kommt, auch kein legales Material mehr. Dann ist es wider sicher und die Plattform weg.

      Die Zensoren freuen sich schon. Endlich können unerwünschte Meinungen effektiv geblockt werden. Alles was von der Linie abweicht ist verdächtig und fliegt raus oder kommt erst gar nicht rein. Die Folgen so einer Entwicklung sind in den Geschichtsbüchern zu finden.

      Die DSGVO (DatenSchutzGrundVerordnung) der EU steht der Umsetzung leistungsfähiger Filter im Weg. Es müssen Dienstleistungen gebaut oder erweitert werden, die alle Urheber dieser Welt erfassen und katalogisieren. Darüber hinaus müssen die Urheber mitmachen und ihre Werke melden. Es besteht dann eine Anzeigepflicht. Entweder automatisch, wenn es das erste mal veröffentlicht wird oder durch manuelles Einsenden. Datenschutz wird da zum störenden Fremdwort werden.

      Es gibt noch eine weitere denkbare Folge. Es wird eine Zeit kommen in der Webseiten eine Packungsbeilage erhalten. Die Kenntnisnahme dieses Lappens wird mit einem Quiz bestätigt. Es funktioniert wie ein Botfilter auch Captchar genannt. Am Ende eines solchen Textes oder in der richtig lizenzierten Werbung wird dann stehen:

      Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen sie die AGBs und Nutzungsbedingungen oder Fragen ihren Hoster oder Netzbetreiber.

      In etwas so sehe ich das. Das Netz wird es weiter geben. Es wird nur ungemütlicher werden. Insbesondere dann, wenn man eine stark abweichende Meinung vertritt, kreativ ist und neue Wege gehen will.
      Uploadfilter: Twitch erwägt Ausschluss von EU-Nutzern

      Vor einer Woche ist die umstrittene EU-Urheberrechtsreform verabschiedet worden. Als erste große Plattform deutet jetzt der Videostreamingdienst Twitch Uploadfilter und Geoblocking an.

      "Große Kollateralschäden" durch Artikel 13
      Shear fürchtet durch das Gesetz große Kollateralschäden. Twitch müsse nun maximal restriktiv vorgehen und alles blockieren, "das theoretisch in irgendjemandes Vorstellung eine Urheberrechtsverletzung darstellen könnte. Das behindert wirklich eurer kreatives Schaffen."Shear antwortet auf die Frage des Moderators von Twitch Town Hall, ob Twitch aufgrund von Artikel 13 ein System von Inhaltsfiltern benötigt: "Ja, absolut. Denn wir haben die Verpflichtung, es zu stoppen, bevor es veröffentlicht wird."

      Uploadfilter würden sowohl Nutzer in der Europäischen Union als auch außerhalb betreffen: Twitch müsse einerseits sicherstellen, dass niemand in der EU geschütztes Material hochlädt. Andererseits müsse die Plattform aber auch verhindern, dass EU-Nutzer geschütztes Material konsumieren können, das jemand außerhalb der EU hochgeladen hat.



      piratenpartei.de/2019/04/03/li…europa-steht-vor-dem-aus/

      golem.de/news/uploadfilter-twi…-nutzern-1904-140416.html



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      https://www.chip.de/news/Darknet-Gesetz-in-Arbeit-Sind-Tor-und-VPN-bald-verboten_165587382.html


      Nach #Artikel13 jetzt also noch mehr #Zensur im Internet.

      Ohne allzu große öffentliche Aufmerksamkeit hat es ein Entwurf für ein Darknet-Gesetz in den Deutschen Bundestag geschafft. Er definiert einen neuen Straftatbestand und richtet sich explizit gegen "Darknet-Märkte". Doch schwammige Formulierungen könnten auch Betreiber von Tor-Relays oder VPNs unter Generalverdacht stellen und normale Nutzer abschrecken.

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      blablub984 schrieb:

      chip.de/news/Darknet-Gesetz-in…d-verboten_165587382.html


      Nach #Artikel13 jetzt also noch mehr #Zensur im Internet.

      Ohne allzu große öffentliche Aufmerksamkeit hat es ein Entwurf für ein Darknet-Gesetz in den Deutschen Bundestag geschafft. Er definiert einen neuen Straftatbestand und richtet sich explizit gegen "Darknet-Märkte". Doch schwammige Formulierungen könnten auch Betreiber von Tor-Relays oder VPNs unter Generalverdacht stellen und normale Nutzer abschrecken.


      Vielleicht sollte man noch weitere Aussagen des von dir verlinkten Artikels anführen:

      chip.de schrieb:


      Drogen, Waffen, Kinderpornos, im Darknet gibt es das alles.
      [...]
      Es soll nach dem Entwurf einen neuen Straftatbestand unter §126 a geben, der das Anbieten von Leistungen zur Ermöglichung von Straftaten betrifft. Konkret soll es dabei um internetbasierte Angebote gehen, die "in hinsichtlich Zugang und Erreichbarkeit beschränkten Netzwerken" operieren. So lautet die beamtendeutsche Übersetzung für Darknet-Marktplätze, die mit Rauschgift, Kinderpornos oder Waffen handeln. Eine Liste dieser Straftaten findet sich im Entwurf unter Satz 2.


      Aber klar, sehe ich ein - der Versuch, die Verbreitung von Kinderpornos im Darknet einzudämmen ist natürlich „#Zensur“ ... :rolleyes:

      Jetzt neu: Alle Crates kaufen & verkaufen --> /w Hornbach auf S3 <--

      Niki0311 schrieb:

      blablub984 schrieb:

      chip.de/news/Darknet-Gesetz-in…d-verboten_165587382.html


      Nach #Artikel13 jetzt also noch mehr #Zensur im Internet.

      Ohne allzu große öffentliche Aufmerksamkeit hat es ein Entwurf für ein Darknet-Gesetz in den Deutschen Bundestag geschafft. Er definiert einen neuen Straftatbestand und richtet sich explizit gegen "Darknet-Märkte". Doch schwammige Formulierungen könnten auch Betreiber von Tor-Relays oder VPNs unter Generalverdacht stellen und normale Nutzer abschrecken.


      Vielleicht sollte man noch weitere Aussagen des von dir verlinkten Artikels anführen:

      chip.de schrieb:


      Drogen, Waffen, Kinderpornos, im Darknet gibt es das alles.
      [...]
      Es soll nach dem Entwurf einen neuen Straftatbestand unter §126 a geben, der das Anbieten von Leistungen zur Ermöglichung von Straftaten betrifft. Konkret soll es dabei um internetbasierte Angebote gehen, die "in hinsichtlich Zugang und Erreichbarkeit beschränkten Netzwerken" operieren. So lautet die beamtendeutsche Übersetzung für Darknet-Marktplätze, die mit Rauschgift, Kinderpornos oder Waffen handeln. Eine Liste dieser Straftaten findet sich im Entwurf unter Satz 2.


      Aber klar, sehe ich ein - der Versuch, die Verbreitung von Kinderpornos im Darknet einzudämmen ist natürlich „#Zensur“ ... :rolleyes:


      Wenn dann zitier bitte richtig jeder weiß das Kinderpornos und Co verboten sind es dreht sich eher darum das Tor und VPNs strafbar werden.

      Die Entscheidung über den Entwurf liegt jetzt beim Deutschen Bundestag und nicht nur bei Politikern gehen die Meinungen weit auseinander. Prof. Dr. Matthias Bäcker, Professor für Öffentliches Recht und Informationsrecht an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, kritisiert den Gesetzentwurf heftig.

      Wie auch andere Kritiker bemängelt der Experte die präventive Nutzung des Strafrechts. Was man unter "Ermöglichen und Fördern von Straftaten" verstehen soll, ist nicht klar, vielmehr werde die Strafbarkeit vorverlagert, denn das Anbieten der Internet-Leistungen ist nach der geplanten Regelung unabhängig davon strafbar, ob eine rechtswidrige Haupttat überhaupt vorliegt. Zählt man Erbsen, könnte man das Betreiben eines Tor-Relays oder VPN-Dienstes als "Ermöglichung" interpretieren. Normale Nutzer, die zum Beispiel den Tor-Browser einsetzen, um nicht von Tracking-Diensten beim Surfen verfolgt zu werden, könnten sich kriminalisiert fühlen. Und natürlich stellt sich die generelle Frage, ob es das neue Gesetz überhaupt braucht, denn Handel mit Drogen, Waffen und Kinderpornografie ist so oder so verboten, egal ob im Darknet oder außerhalb.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „blablub984“ ()

      @Niki0311 man muss sich ja nur mal die ersten 2 Sätze im Antrag anschauen und schon weiß man um was es geht ich zitiere:
      A. Problem und Ziel Vermehrt nutzen Straftäter die Möglichkeiten der Anonymisierung, die ihnen das Internet bietet. Eine häufig genutzte Form der Anonymisierung erfolgt über das »The Onion Router« (Tor)-Netzwerk, das aus einer Vielzahl von weltweit verteilten Servern besteht, über die Datenpakete in ständig wechselnder Form geleitet werden.

      Den kompletten Text findet man hier.

      Klar sind Kinderpornos, Waffen und Drogen verboten und klar ist auch das Kriminelle immer wieder Möglichkeiten suchen und finden werden um trotzdem an die Sachen zu kommen aber es ist eben wie mit der Idee zur Abschaffung des Bargelds weil man das auch für Beschaffungskriminalität nutzen kann und es nicht zurück verfolgt werden kann: Es sind kollektivstrafen....weil ein paar das machen muss es verboten werden damit es keiner mehr nutzen kann.

      Fehlt nur noch das man das Auto verbietet....überhöhte Geschwindigkeit innerhalb von Ortschaften sind illegal, es gibt trotzdem immer wieder Kriminelle die das trotzdem tun....logische Konsequenz: Auto verbieten....und dann die Busse weil damit kann man auch rasen...usw usf.

      Hier gehts schon lang nicht mehr drum was einzeln verboten wird oder beantragt wird was aufn 1. Blick als logisch betrachtet wird hat aufn 2. Blick Konsequenzen die für jedermann spürbar sind. Im Falle dieses Gesetzes z.b.: - Jede Trackingsoftware bzw jeder Cookie mit der Möglichkeit weiß wo du dich gerade aufhälst weil du nicht mehr anonym im Inet bist weil du ja keinen torbrowser oder vpn mehr nutzen kannst weils verboten ist bzw. es der Polizei die Möglichkeit gibt dich unter beobachtung zu stellen da du potenziell ne illegale Plattform betreiben könntest. Damit stehst du unter generalverdacht und die Aussage: Unschuldig bis das Gegenteil bewiesen ist" ist damit offiziell hinfällig nur weil du verhindern willst das Google sieht wenn du pinkeln gehst.

      Wenn man das aus nem anderen Blickwinkel sieht wieder ein Schritt näher zum "gläsernen Mensch" und ich denke zumindest dass das der Großteil der Menschheit nicht will.

      Edith sagt: Wenn man bissl weiter runterscrollt und den Gesetzentwurf selber liest dann liest man das:
      2. Nach § 126 wird folgender § 126a eingefügt:
      § 126a Anbieten von Leistungen zur Ermöglichung von Straftaten (1)
      Wer eine internetbasierte Leistung anbietet, deren Zugang und Erreichbarkeit durch besondere technische Vorkehrungen beschränkt und deren Zweck oder Tätigkeit darauf ausgerichtet ist, die Begehung von rechtswidrigen Taten im Sinne von Satz 2 zu ermöglichen oder zu fördern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist

      Gerade der Unterstrichene Teil ist wichtig, Tor-browser bzw vpn netzwerke sind internetbasierende Leistungen die durch besondere Technische Vorkehrungen ihren Zugang beschränken (zumeist durch nen speziellen browser oder eine Erweiterung/app/tool wie man das auch immer nennen mag). Und ja diese fördern und ermöglichen die Begehung von rechtswidrigen Taten da sie es schaffen das du dir anonym eben übers darkweb/darknet waffen und co bestellen kannst. Und genau da ist der springende Punkt den eben auch Chip aufgegriffen hat und @blablub984 zitiert hat.
      Und da gibt es auch kein Zetern und heulen und gegenmeckern....das steht da drin und wenn der Gesetzesentwurf so durchgewunken wird dann kann eben google sehen wann du pinkeln gehst.

      PPS: Google ist hier natürlich nur als Beispiel heran genommen worden, dieses soll keine verunglimpfung der Firma sein ;) (Falls da wer mitliest von denen XD)
      /w utopia S1: Länderflaggen als Banner S2: kleine Auswahl Dekobanner. S3: Buchstabenbanner in weiß und schwarz mit 15 Schriftfarben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Noitari“ ()

      Die Intention des Gesetzes, gegen illegale Handlungen im Darknet vorzugehen, hat seine Berechtigung. Aber der aktuelle Gesetzesentwurf ist zu allgemein formuliert und stellt alle unter Generalverdacht, die TOR und ähnliche Netzwerke nutzen. Da muss nachjustiert werden. In der Abwägung, wie viel Freiheit eingeschränkt wird, muss sehr vorsichtig vorgegangen werden.

      Viele Grüße
      guten morgen

      blablub984 schrieb:

      Und weiter gehts mit der Zensur.

      Die umstrittene Urheberrechtsreform wirft ihre Schatten voraus: Jetzt führt die Fotoplattform Flickr eine uploadfilter-ähnliche Software ein. Abmahnungen sollen so erleichtert werden.

      t3n.de/news/flickr-urheberrech…form-eingefuehrt-1156341/
      Ist doch gut für Urheber auf Flickr, wenn sie sich sicherer sein können, dass ihre Werke nicht ohne Einschränkung weiterverwendet werden können, sondern man dagegen vorgeht. Hat ja auch nicht viel mit Zensur zu tun, da ja nicht mal irgendwas einfach gelöscht wird. Schutz von Urhebern ist doch super.
      Have you ever accidentally peed on the toilet seat instead of your girlfriends face?
      Me neither!

      Neu

      Hallo zusammen,
      ich beobachte die Entwicklung der EU-Urheberrechtsreform jetzt seit ihrem Beginn 2015. Vorweg: Ich begrüße die Reform, da sie das völlig veraltete Urheberrechts-Gesetz an die Bedingungen des 21. Jahrhunderts anpasst und Datenkonzerne [wie z.B. Google] endlich stärker reguliert werden. Im Gegensatz zu einigen Kritikern [auch hier im Forum], war die Abstimmung kein schwarzer Tag für Europa oder die Demokratie. Ganz im Gegenteil: Ab jetzt müssen große Plattformen [wie z.B. YouTube] Verantwortung für illegale Inhalte übernehmen!

      Was mich an der Debatte gestört hat war die starke Polemisierung und Emotionalisierung sowie die haltlosen Unterstellungen [auch hier im Forum]. Ich habe selten in einer rein europäischen Debatte erlebt, dass Begriffe derart virtuos verschoben wurden und so gezielt ein politisches Framing betrieben wurde. Mit was für einer Leichtigkeit immer wieder das Wort „Zensur“ von verschiedenen Parteien [wie z.B. den Piraten, der AfD oder auch der FDP] verwendet wurde war absolut unangebracht. Die Reaktionen einiger Reformbefürworter waren ebenfalls nicht besser. Die Reformkritiker als „Mob“ zu diffamieren oder die Jugendlichen, die zu Zehntausenden protestiert haben, als ferngesteuerte „Bots‘“ zu bezeichnen zeugte von enormer Dummheit.

      Statt von der massenhaften Entrechtung vieler Kreativer im Netz zu sprechen und von der Weigerung der großen Datenkonzerne, an einem fairen finanziellen Ausgleich mitzuwirken, wurde am Ende fast nur noch von "Upload-Filtern" und dem vermeintlich drohenden Ende der Freiheit im Internet geredet. Dass solche Filter, letztlich eine Software zum Aufspüren von Urheberrechtsverletzungen, schon längst massenhaft eingesetzt werden, und zwar ausgerechnet von Plattformen wie YouTube, die dagegen so heftig zu Felde zogen, wurde häufig einfach ausgeblendet.

      Auch der angebliche Generationenkonflikt, den viele ausgemacht haben, war bestenfalls ein Teil der Wahrheit. Denn tatsächlich standen sich nicht netzaffine YouTuber und digital ahnungslose und alte Politiker gegenüber, sondern vor allem zwei mächtige Interessengruppen: hier die Vertreter von Google, YouTube und anderen Plattformen, die sich gegen jede Form der Regulierung wenden, dort die Vertreter von Verlagen und Musikkonzernen, die nicht nur selbstlos für die Kreativen streiten. Die eigentlich Betroffenen, die Künstler und die Plattform-Nutzer, blieben dabei allzu häufig auf der Strecke. Nicht "Jung gegen Alt" ist die Formel, die sich in der Retrospektive anbietet, sondern "Neu gegen Alt". Die Datenindustrie hat gegen traditionelle Branchen gekämpft, und sie hat dabei neue Methoden angewandt. Klassisches Lobbying stand gegen eine Kampagne, die vor allem auf die Mobilisierungskraft der sozialen Medien setzte. Und einen Moment lang sah es tatsächlich so aus, als könnte das Bündnis aus Datenschützern, Netzgiganten und jugendlichen Demonstranten die Politik in Europa bestimmen.

      Was für Schlussfolgerungen kann man daraus ziehen? Die Horrorszenarien, die viele Reformgegner beschworen haben, werden sich bald als übertrieben herausstellen. Das Internet wird nicht „abgeschaltet“ werden und auch die Meinungsfreiheit wird keinen Schaden nehmen. Die Reformkritiker haben verloren. Ich kann mir vorstellen, dass die Erfahrung insbesondere für junge Menschen, die das erste Mal mit aller Leidenschaft für eine Sache gekämpft haben, frustrierend ist. Ich kann dazu nochmal wiederholen das die Entscheidung absolut richtig gewesen ist. Sie zwingt die Netzkonzerne in die Verantwortung. Und sie zeigt, dass Europa endlich anfängt, die Macht der Datenkonzerne einzuschränken. Sollte diese Erkenntnis die Frustration nicht lindern hilft vielleicht die folgende Information. In ein paar Wochen besteht die Möglichkeit neue Abgeordnete nach Straßburg zu wählen.

      Beste Grüße, Dalavar
      Kritisches Denken lernen - [TEDx Talk - 2017]: youtube.com/watch?v=J5A5o9I7rnA&feature=youtu.be
      Big Think - Die großen Fragen 21.Jahrhunderts einfach erklärt: youtube.com/channel/UCvQECJukTDE2i6aCoMnS-Vg

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